#30 Stefan Eichenberger [DE]: «Davos 1917», Filmförderung und die Sommerakademie mit Fredi M. Murer

Shownotes

Stefan Eichenberger ist seit 2014 Mitinhaber der Produktionsfirma Contrast Film mit Sitz in Bern und Zürich. Zu den von ihm produzierten Filmen zählen «Heimatland», «Der Läufer», «Stürm. Bis wir tot sind oder frei», «Stella. Ein Leben» und zuletzt veröffentlicht «Landesverräter». Daneben produzierte er mehrere Folgen des Schweizer Tatorts sowie 2023 das historische Spionagedrama «Davos 1917», die bis Dato grösste Serienproduktion der Schweiz.

Er hat Medien- und Kommunikationswissenschaft, Philosophie und Soziologie an den Universitäten Freiburg und Bern studiert sowie im Anschluss an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) von 2010 bis 2012 Filmproduktion. Mit dem Kurzfilm «Parvaneh», der in diesem Rahmen entstanden ist, konnte er grosse internationale Erfolge feiern und wurde 2015 schliesslich für den Oscar in der Kategorie «bester Kurzfilm» nominiert. Seit 2017 ist er Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Von 2009 bis 2013 war Stefan Eichenberger Geförderter der Schweizerischen Studienstiftung.

Moderation: Silvan Moser Website: www.studienstiftung.ch Produktion: Podcast Zurich Graphik Logo: Bettina Gysin, basierend auf ein Werk von Alissa Siara, ehemalige Geförderte

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00:00:00: Das Schwierigste ist wahrscheinlich wirklich einen kommerziell erfolgreicher Film mit Relevanz zu machen, der wirklich auch sein Publikum erreicht.

00:00:08: Es ist wahrscheinlich sehr viel schwieriger als einen gesellschaftrelevanten Arthouse-Film zu machen, den nicht viele Leute sehen weil er zu sperrig ist und ich glaube das ist die Kunst.

00:00:20: Begegnungen@fondetudes:Ein Podcast der Schweizerischen Studienstiftung. Inspirierende Gespräche mit dem Netzwerk der Stiftung.

00:00:38: Ja, herzlich Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Begegnungen@fondetudes.

00:00:43: Ich bin Silvan Moser, stellvertretender Direktor der Schweizerischen Studienstiftung, und mir gegenüber sitzt Stefan Eichenberger.

00:00:50: lieber Stefan, ich freue mich sehr, bist du heute hier: Herzlich Willkommen!

00:00:53: Vielen Dank für die Einladung und ich freue mich sehr auf das Gespräch.

00:00:57: ja Stefan, du gehörst zu der kleinen, aber exquisiten Gruppe von Kunstschaffenden innerhalb der Studienstiftung.

00:01:03: Du bist nämlich Filmproduzent.

00:01:05: ursprünglich hast du Medien- und Kommunikationswissenschaft, Philosophie & Soziologie an den Universitäten Freiburg und Bern studiert.

00:01:14: Im Anschluss hast du an der ZHdK von 2010 bis 2012 Filmproduktionen studiert.

00:01:20: Mit dem Kurzfilm "Parvaneh", der in diesem Rahmen entstanden ist, konntest du grosse internationale Erfolge feiern.

00:01:26: Der Film wurde 2015 schliesslich sogar für den Oscar in der Kategorie "Bester Kurzfilm" nominiert.

00:01:33: Seit 2014 bist du Mitinhaber der Produktionsfirma Contrast Film, mit Sitz in Bern und Zürich.

00:01:40: Zu den von dir produzierten Filmen zählen "Heimatland", "der Läufer", "Sturm. Bis wir tot sind oder frei", "Stella. ein Leben"

00:01:48: und zuletzt veröffentlicht "Landesverräter".

00:01:52: Du produzierst aber auch Serien und Reihen.

00:01:54: So hast du mehrere Folgen des Schweizer Tatorts und 2023 das historische Spionage-Drama "Davos 1917" produziert.

00:02:03: Letztere ist die bisher grösste SRF-Serienproduktion.

00:02:07: Und schliesslich bist du seit 2017 auch Mitglied der renommierten Academy of Motion Picture Arts & Sciences, die eben insbesondere für die Verleihung des Oscars bekannt ist.

00:02:20: Ja vielleicht ganz am Anfang eine Frage für unsere Hörerinnen und Hörer, die wahrscheinlich für dich offensichtlich banal sind aber für diese nicht?

00:02:29: Was macht eigentlich ein Filmproduzent so genau?

00:02:33: Das ist eine gute und beliebte Frage!

00:02:36: und ich versuche da jeweils eine Analogie zu nehmen, um diese Frage zu beantworten.

00:02:41: Und zwar wenn man sich vorstellt, dass ein Film oder eine Serie wie so ein Kind ist, weil jedes Projekt beginnt ja von vorne dann kann man eigentlich sagen das die Regie eigentlich die Mutter ist dieses Films oder dieses Werks und der Produzent der Vater.

00:03:00: Und das ist natürlich ein bisschen eine vereinfachte Analogie und die muss man auch ein bisschen ausführen.

00:03:06: Wenn man so von einem patriarchalen System ausgeht, dass ich persönlich nicht, aber für diese Analogie noch ziemlich eingänglich ist, kann man sich vorstellen, dass die Mutter eines Films oder einer Serie für die Erziehung verantwortlich ist und der Produzent, der Vater, für den Finanzierung. So kann sich das vereinfacht vorstellen. Wenn man es noch ein bisschen konkreter ausdeutscht, kann man sagen, die Regie hat eigentlich die künstlerische Verantwortung für einen Film und der Produzent die Unternehmerische.

00:03:43: Und natürlich in der Realität geht das ein bisschen ineinander über.

00:03:47: also gerade ich als Produzent verstehe mich auch als kreativer Produzent, nicht einfach nur als Produzent, der nur für die Finanzierung zuständig ist und alles rechtliche regelt, sondern der auch Einfluss nimmt auf die kreativen Entscheidungen und auch ein Sparringpartner ist für die Regie.

00:04:06: Und ja, dass man so gemeinsam dieses Kind eben grosszieht von der ersten Idee bis es dann von Zuhause auszieht.

00:04:15: Spannend!

00:04:16: Und eine, ich denke, treffende Analogie. Um die Analogie aufzugreifen, eben als Vater hast du... Hast du viele Kinder?

00:04:26: Ich meine, die Filmproduktion ist ein hochgradig kollaboratives Unterfangen,

00:04:31: dass oft auch über Landesgrenzen hinweg geschieht.

00:04:36: und es ist hier so wie auch anderen Orten: Der Erfolg kann letztlich eben nur im Kollektiv geschaffen werden.

00:04:43: Welche Rollen spielen hier Netzwerke für dich und was ist dir auch wichtig, beispielsweise bei der Zusammenstellung einer Filmcrew?

00:04:52: Worauf achtest du?

00:04:53: Gibt es vielleicht auch so Fettnäpfchen, in die du getreten bist oder Erfahrungen, wo du gemerkt hast

00:05:00: "Oh, das funktioniert so nicht".

00:05:02: Ja, in Fettnäpfchen bin ich sicher in ganz viele getreten.

00:05:05: Das gehört auch ein bisschen dazu. Das Spannende an der Filmproduktion oder insgesamt In der Kultur ist ja, dass es keine exakte Wissenschaft Ist und dass man nie genau sagen kann, man muss es Jetzt so und so machen und dann hat man einen erfolgreichen Film oder eine erfolgreiche Serie.

00:05:22: Das ist ja gleichzeitig der Spannende daran.

00:05:24: Niemand kennt genau die Formel, es gibt so Indikatoren, wie ein Film oder eine Serie erfolgreich werden kann.

00:05:31: Aber man weiss das am Ende des Tages nicht.

00:05:33: Man beginnt auch bei jedem Projekt wieder von vorne.

00:05:37: Man nimmt natürlich im Rucksack einige Erinnerungen und Erfahrungen mit  und doch beginnt man eigentlich immer wieder von vorne.

00:05:46: Und dort sind natürlich Netzwerke extrem entscheidend.

00:05:50: Es ist ja auch immer eine Reise oder diese Analogie mit dem gemeinsamen Kind, die hatte wirklich was.

00:05:56: Man geht dann auf eine längere Reise von mehreren Jahren mit einer Regie mit einem Drehbuchautor oder einer Drehbuchautorin und man weiss nie genau, wo man landen wird.

00:06:10: Dort macht es natürlich Sinn, wenn man ein Netzwerk hat oder auch Personen, denen man vertraut, mit denen man vielleicht schon mal zusammengearbeitet hat.

00:06:17: Dann macht es natürlich diese Reise einfacher und auch ein bisschen besser kontrollierbar.

00:06:23: Auf der anderen Seite ist es natürlich auch spannend mit komplett neuen Leuten zusammenzuarbeiten, weil wenn man immer wieder im gleichen System arbeitet, dann irgendwann nutzt sich das ein bisschen ab und dann kommen vielleicht nicht mehr so die absolut spannendsten Projekte heraus, weil man vielleicht auch nicht mehr so direkt gefordert wird oder herausgefordert wird.

00:06:45: Aber insgesamt ist natürlich das Netzwerk... deine Frage zielt ja auf das Netzwerk ab, ist sehr wichtig, weil man muss irgendwo durch ein bisschen einen vertrauten Rahmen haben und da ist natürlich ein Netzwerk sehr interessant.

00:07:00: Auch gerade, wenn es um internationale Koproduktion geht.

00:07:03: Ich bin auch selbst in verschiedenen Produzenten-Netzwerken und da kann ich auch immer nachfragen, wenn ich eine Anfrage bekomme aus dem Ausland von einer Person, die ich nicht kenne, aber die präsentiert mir ein spannendes Projekt, fragt ob wir Interesse daran haben mit der Schweiz einzusteigen, dann kann ich mein Netzwerk anrufen und sagen, schaut ich habe aus deinem Land, aus Italien oder Frankreich oder Deutschland eine Anfrage gekriegt.

00:07:27: Ich kenne diese Person nicht, kannst du mir etwas dazu sagen?

00:07:30: Und dann kommen sofort offene und ehrliche Feedbacks.

00:07:33: Und ich glaube das ist insgesamt einfach sehr wertvoll auf allen verschiedenen Ebenen, weil bei einer Filmproduktion arbeiten so viele Leute mit.

00:07:44: Man kann gar nicht immer alle kennen und überall ein Quality-Check machen oder ein Background-Check.

00:07:51: Dann kommt eine Regie, die sagt ich will aber unbedingt mit dieser Kamerafrau oder diesem Editor zusammenarbeiten und du kennst diese Person nicht, dann holst du dir Referenzen ein und da benutzt du natürlich dein Netzwerk.

00:08:04: Deshalb: Ja, das Netzwerk ist sehr wichtig in diesen Beruf, wo oft mehr als hundert Leute beim Film mitwirken und da sind jetzt mal die Statisten nicht mitgezählt.

00:08:15: Ja, beeindruckend ja!

00:08:18: Was ich mich auch oft frage und du hast es schon ein bisschen angetönt, dass vielleicht auch jemand von aussen kommt. Aber wie muss sich mir so den Beginn eines so riesigen Projekts, eben seines Filmprojekts beispielsweise vorstellen?

00:08:31: Ist das einfach, dass von Aussen jemand kommt,

00:08:33: also Geldgeber geben eigentlich das Thema vor.

00:08:36: oder wählst du die Themen ganz selbstständig, also mit der Regie zusammen aus?

00:08:43: Und ist es vielleicht auch so, dass man wie ein bisschen Spezialist wird in einem bestimmten Genre zum Beispiel?

00:08:48: Also gilt das auch für die Produktionsseite.

00:08:53: Gibt es auch für euch bestimmte Themen, wo man dann auch Spezialist ist?

00:08:58: Ich beginne mal beim ersten Punkt.

00:09:01: Die Geldgeber geben in der Regel keine Themen vor.

00:09:04: Die einzige Ausnahme ist, wenn du beispielsweise mit dem SRF zusammenarbeitest, wir machen auch oft "Tatorte" und da kommen sie schon mit konkreten Vorstellungen, meist schon mit einem Drehbuch oder einer ersten Version eines Drehbuchs für eine Folge.

00:09:20: Dort ist dann das Thema vorgegeben.

00:09:22: Aber dort sind wir dann auch eher Auftragsproduzenten.

00:09:27: Ansonsten bei den öffentlichen Förderstellen wie dem Bundesamt für Kultur oder der Berliner Filmförderung, Zürcher Filmstiftung

00:09:34: etc.,

00:09:35: die geben keine Themen vor, das dürfen sie eigentlich gar nicht.

00:09:38: und da ist es so, dass entweder die Regisseur:innen oder Drehbuchautor:innen auf uns zukommen und sagen: "schaut, ich habe hier eine Idee,

00:09:48: zu diesem und diesem Thema möchte ich gerne einen Film machen

00:09:51: oder eine Serie, interessiert euch das als Produktionsfirma?"

00:09:56: Das ist der eine Weg.

00:09:57: und der andere Weg ist, dass wir als Produktionfirma und insbesondere auch ich in meinem Selbstverständnis als kreativer Produzent die Ideen haben Autoren zugehen oder Regisseurinnen und sagen, ich habe hier eine Idee zu einem Stoff.

00:10:13: Ich glaube, das passt aus diesen und diesen Gründen zu dir.

00:10:16: Wollen wir das gemeinsam anpacken?

00:10:19: Das sind die verschiedenen Wege wie eigentlich so Stoffe oder Projekte entstehen also wirklich unterschiedlich.

00:10:26: teilweise kommen sie zu uns, teilweise gehen sie von uns aus und so tasten wir uns dann so gemeinsam einen Werk heran.

00:10:35: Und deine Frage, deine zweite Frage ob man dann wie so Spezialisten oder Spezialist wird für ein bestimmtes Genre?

00:10:43: Ja und nein.

00:10:44: natürlich hat man dann gewisse Präferenzen.

00:10:47: Oder wenn man mal sage ich jetzt einen düsteren Arthouse-Film gemacht habe. Dann kommen andere und sagen "hey, Ich habe diesen Film gesehen, den ihr produziert habt.

00:10:55: Ich habe was ähnliches.

00:10:57: das ist auch so ein bisschen in diesem Genre würde euch das interessieren."

00:11:01: und dann kann man schon ein bisschen ein bisschen in diese Schublade kommen.

00:11:08: Und bei uns ist es tatsächlich so, wir haben auch begonnen mit gesellschaftskritischen Arthouse-Filmen und haben uns jetzt aber glaube ich ein bisschen weiterentwickelt.

00:11:19: Wir machen nach wie vor auch gerne gesellschaftskritische Arthouse-Filme, aber nicht mehr nur!

00:11:25: Wir sind als Firma auch gewachsen.

00:11:29: Da hast du dann plötzlich auch mehrere Leute auf der Payroll oder sonst Dinge, die du bezahlen musst.

00:11:35: Und das kannst du dann nicht mehr leisten nur mit Arthouse-Filmen.

00:11:38: und es ist auf der anderen Seite auch spannend wenn man dann mehr auch kommerzielle Dinge macht nicht um quasi dann irgendwie sein Selbst zu verleugnen, sondern um dann auch wieder Raum zu schaffen wieder kleinere Filme zu machen.

00:11:53: Ich glaube, es geht so ein bisschen Hand in Hand oder das ist so, wie ich mich weiterentwickelt habe, dass ich nicht mehr sage, kommerzielle Filme interessieren mich nicht - im Gegenteil:

00:12:05: Das Schwierigste ist wahrscheinlich wirklich einen kommerziell erfolgreichen Film mit Relevanz zu machen, der auch wirklich sein Publikum erreicht. Das ist wahrscheinlich sehr viel schwieriger als einen gesellschaftsrelevanten Arthouse-Film zu machen, den nicht viele Leute sehen, weil er zu sperrig ist.

00:12:21: Und ich glaube, das ist die Kunst.

00:12:25: Ich glaube auch, dass Film ansich ein sehr teures Medium ist und es lebt davon, dass man Unterstützung von der öffentlichen Hand kriegt.

00:12:34: Das ist wie Oper oder Theater – das könnte niemals existieren ohne die öffentliche Hand.

00:12:40: Eine Oper oder ein Theaterhaus wird zu 80-90 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert und der Rest sind die Eintritte Und das ist im Film eigentlich sehr ähnlich.

00:12:53: Ich finde, wenn man dann schon so viel Geld kriegt, um einen Film machen zu können und ein Film kostet viel weil man die Leute, die mitarbeiten auch fair bezahlen will da gibt es auch Gewerkschaftslöhne.

00:13:04: aber wenn man diesen Film macht und so viel Geld kriegt, erhält man eine Verantwortung und ich finde die Verantwortung von uns Produzenten ist dann auch ein möglichst breites Publikum zu erreichen, damit quasi diese öffentlichen Gelder dann auch wirklich ihre Wirkung entfalten können.

00:13:22: Weil wenn man sagt, ich will Kunst machen und es geht mir nicht darum ein grosses Publikums zu erreichen, dann gibt es andere Kunstformen die da geeigneter sind, dann kann man ein Buch schreiben, man kann ein Bild malen, das sind alles genauso wertvolle Dinge, aber die kosten nicht so viel Geld.

00:13:40: Wenn eine Person ein Bild malt oder eine Person ein Buch schreibt, kostet das ein Bruchteil von einer Filmproduktion.

00:13:46: und ich finde da habe ich mich glaube ich als Person ein bisschen entwickelt in den letzten Jahren, dass ich sage, ich sehe eigentlich noch mehr Verantwortung mit diesem Geld, dass sich kriege

00:13:59: Ja, sehr spannend, du hast ein bisschen meine nächste Frage vorweggenommen eben genau nach dieser Spannung zwischen dem künstlerischen Anspruch einerseits und dem Anspruch andererseits ein möglichst breites Publikum auch zu erreichen.

00:14:15: Und so wie ich dich verstehe kann die Antwort darauf sein, dass eine tun und das andere nicht lassen.

00:14:22: Da hängt sicher auch mit dem Genre zusammen.

00:14:26: Ein Kurzfilm ist vielleicht vom finanziellen Aufwand her von den Personenanzahl, die involviert sind.

00:14:33: als wenn man eine Serie produziert, jetzt allein das SRG sieben Millionen kostet.

00:14:37: Das sind andere Rahmenbedingungen.

00:14:40: und ja vielleicht könntest du auch ein bisschen... Also ich fände es spannend, wenn du ausführen könntest wie eben jetzt gerade zum Beispiel eine so Serienproduktion wo ihr auch mit Deutschland zusammen, also mit einer Produktionsfirma in Deutschland zusammen das gemacht habt?

00:14:53: Wie dass die Rahmenbedingerungen für dann die Produktion im Gegensatz jetzt sagen wir einen Kurzfilm oder einfach ein Spielfilm der eben vielleicht vom Bundesamt für Kultur finanziert wird und weiteren Geld geben, wo man vielleicht auch ein bisschen freier ist.

00:15:10: Was sind da so die Unterschiede?

00:15:13: Ich glaube der zentrale Unterschied ist wenn wir einen Kinofilm machen dann sind wir als Produktionsfirma die Hauptpartner Dann sind wir sozusagen die Väter des Films Und können relativ autonom entscheiden.

00:15:28: Natürlich ist es oft so dass auch bei einem Kinofilm, ein Fernsehsender beteiligt ist.

00:15:33: In der Schweiz in der Regel die SRG-Sender aber die halten sich dann zurück.

00:15:38: Die sind dann wirklich Co-Produzenten und wir als Hauptroduzenten können eigentlich quasi dieses Kind auf die Welt bringen.

00:15:48: Wenn wir jetzt eine Serie machen, dann ist es ganz anders gelagert.

00:15:53: Dann ist eigentlich der Sendepartner Ja, mindestens ein ebenbürtiger Vater.

00:16:00: um bei dieser Analogie zu bleiben.

00:16:03: Weil in der Regel fliesst dann auch sehr viel mehr Geld für eine Serie als für einen Kinofilm und der Anteil des TV-Senders ist substanziell viel höher als beim Kinofilen.

00:16:15: Und das macht ja auch Sinn weil der Sender produziert diese Serie dann auch für sein Publikum und dass TV-Publikum folgt ein bisschen einer anderen Logik als das Kinopublikum.

00:16:28: Und du kannst nicht eine teure Serie machen, die dann niemand guckt im TV.

00:16:35: Du kannst einen schönen Arthouse-Film machen, den wenigen gucken und der läuft vielleicht an einem wichtigen Festival wie ihn kann.

00:16:43: Dann kannst du sagen hey ich habe mein Ziel erreicht weil es ist ein gesellschaftsrelevantes Produkt geworden auch wenn es nicht so viele Leute gesehen haben.

00:16:51: aber das kannst du bei einer Serie nicht.

00:16:52: also bitte Ja, der Benchmark bei einer Serie oder du wirst daran gemessen wie viele Leute haben diese Serie geguckt und deshalb musst du dich ganz anders verhalten als Produzent wenn du eine Serie produzierst.

00:17:07: Aber das ist auch das Spannende daran dass man sich eben da ein bisschen verschiedenen Welten befindet in verschiedenen Weltern agieren kann einerseits der Kinowelt und andererseits der TV-Welt.

00:17:23: Ist ja nicht so schlecht gelungen jetzt im Fall von Davos, mit dem Erreichen eines doch breiten Publikums auch?

00:17:31: Ja genau bei Davos.

00:17:32: das war wirklich unter dem Strich beim Publikum sehr erfolgreich.

00:17:36: Das haben fast eine Million Leute in der Schweiz gesehen.

00:17:40: Es ist quasi ein Achtel der Bevölkerung und wenn man noch die ganze Jungen abzieht, die das noch gar nicht schauen können oder dürfen dann haben wir doch... eine sehr hohe Anzahl von Personen erreicht, die potenziell diese Serie schauen können.

00:17:54: Und das ist natürlich extrem schön und gleichzeitig war dann auch ein grosser Druck da dass wir das erreichen weil ja die Esserge hat so viel Geld in dieser Serie investiert.

00:18:07: wenn man das dann auch die Hälfte geguckt hätte von jetzt dann wäre das schon hätten wir schon paar Argumentationsschwierigkeiten gekriegt

00:18:16: Auch die SRG natürlich oder vor dem Hintergrund der Halbierungs-Initiative, die ja da auch schon lanciert war.

00:18:22: Absolut, absolut!

00:18:23: Einfach

00:18:25: mal den Blick in die Vergangenheit... Ich habe wie ich das eigentlich immer tue im Vorfeld eines solchen Gesprächs in unserem Archiv ein bisschen gegraben und bin dann auf die Sommerakademie mit dem wohlklingenden Titel "Viaggio intellettuale attraverso il cinema svizzero" gestoßen.

00:18:42: Diese Sommerakademie hat im Jahr 2011 stattgefunden und du hast daran auch teilgenommen.

00:18:47: Du warst, glaube ich, der einzige Teilnehmer vom Fach.

00:18:52: Was war das für eine Erfahrung für dich?

00:18:54: Wie haben dich die verschiedenen Perspektiven vielleicht bereichert, die von außen auf dein Fachgebiet geworfen wurden in dieser Woche?

00:19:04: Es ist schon eine Weile her, du hast es gesagt.

00:19:07: Das sind schon irgendwie fünfzehn Jahre her.

00:19:10: Ich kann mich nicht mehr in jedes Detail erinnern aber ich habe diese Sommerakademie tatsächlich gut in Erinnerung.

00:19:18: Ich war da auch noch ganz früh in meiner Karriere also ich habe dann noch an der Filmschule studiert und an der ZHdK.

00:19:26: Ich konnte nicht viel vorweisen, außer ein paar kleine Kurzfilme die ich vor dem Studium oder während des Studiums gemacht habe.

00:19:37: Und ich kann mich gut erinnern.

00:19:38: wir sind da so ein bisschen durch die Schweiz gereist in dieser Woche.

00:19:44: Wir sind zuerst wenn ich mich richtig erinnere und wir waren auf jeden Fall auch in der Cinémathèque In Lausanne, wir sind dann ins Tessin gegangen und da war auch Fredi Murer.

00:19:58: Der ist heute nicht mehr aktiv, aber das war einer der wichtigsten Regisseure.

00:20:03: Höhenfeuer?

00:20:04: Genau, Höhenfeuer gilt immer noch als eine der besten Schweizer Filme aller Zeiten und Fredi hat einen sehr wichtigen Beitrag geleistet für... Das Schweizer Filmschaffen, insbesondere auch das Deutsch-Schweizer Filmschaffen.

00:20:17: Und ich kann mich noch erinnern der war dann dort und ich war so ganz schüchtern haben ihm ein paar Fragen gestellt.

00:20:22: Ich habe irgendwann auch noch einen Foto gesehen wo ich eher fürchtig zu ihm lecke.

00:20:28: Und das waren natürlich prägendlich kann mich auch noch erinnert.

00:20:32: Auch ein Tessiner Kameramann Renato Berta war.

00:20:37: dort hat viel auch für Godard gedreht.

00:20:39: Es war natürlich auch eine Ikone.

00:20:42: Eine lustige Geschichte ist auch noch, da war eine Studentin aus Deutschland oder Österreich.

00:20:50: Ich kann mich nicht mehr ganz genau erinnern und die hatte nichts mit Film am Hut damals.

00:20:56: und sie war aber super neugierig.

00:20:59: und ich kann mich dann auch noch erinneren dass die später nach der Sommerakademie mir geschrieben hat, ob ich hier Tipps gebe, was ihr mal bei mir auf einem Filmset oder so kommen könnte.

00:21:11: Ich würde sich wirklich etwas für die Filmindustrie interessieren und... ...ich hatte dann Jahre keinen Kontakt mehr mit ihr.

00:21:18: und später habe ich herausgefunden das ist wirklich eine erfolgreiche Filmemacherin geworden.

00:21:23: Cool!

00:21:24: Die Drehbücher schreibt und Filme inszeniert.

00:21:28: Und ja das war spannend, dass ich sie an einen Punkt kennengelernt habe, wo sie noch gar keine eine Berührung hatte und jetzt wirklich sehr, sehr erfolgreich unterwegs ist im deutschsprachigen Raum.

00:21:39: Und das sind natürlich dann schöne Begegnungen und schöne Erinnerungen.

00:21:42: Ja auch für uns von der Studienstiftung natürlich schön zu hören dass wir da so Inspirationsquelle sein können für junge Menschen und vielleicht mal den Ausschlag geben, dass jemand einen anderen Pfad einschlägt als ursprünglich angedacht.

00:22:00: Wir sind schon fast am Ende angelangt aber Eine Frage möchte ich dich doch noch fragen.

00:22:07: Willst du uns vielleicht verraten, an welchen Projekten du aktuell arbeitest und auf was wir uns freuen können?

00:22:13: Was da auf uns so zukommt?

00:22:15: Ja!

00:22:16: Was die Zukunft genau bringt das ist auch für mich oder für uns immer spannend weil es ja nicht immer nur von uns abhängt.

00:22:25: Weil sie eine Branche ist wo man tatsächlich auch von anderen Institutionen abhängig ist seines Förderstellen oder seines TV-Sender oder Streamingdienste.

00:22:34: Aber wir arbeiten an einigen Projekten, die hoffentlich bald kommen werden.

00:22:39: Beispielsweise arbeiten wir an der zweiten Staffel von "Davos 1917".

00:22:43: Das wäre super cool wenn das kommt!

00:22:46: Das sieht eigentlich gut aus.

00:22:48: Gleichzeitig sind wir auch an mehreren weiteren Tatortfolgen dran und hoffen dass wir nächstes Jahr eine weitere Tatort Folge drehen können.

00:23:00: Dann sind wir in Vorbereitung für eine Sci-Fi-Serie tatsächlich, wo wir auch eng mit KI zusammenarbeiten werden oder wo KI eine wichtige Rolle spielt.

00:23:12: Nicht nur inhaltlich sondern insbesondere auch in der Umsetzung weil es halt wirklich einfacher geworden ist, eine Sci-Fi-Serie zu drehen.

00:23:22: dann sind wir an unserer ersten Komödie.

00:23:25: da bin ich auch sehr gespannt wahrscheinlich das Schwierigste eine wirklich gute Komödie zu machen, wo die Leute lachen können.

00:23:35: Ein

00:23:36: gutes Drama zu machen glaube ich ist einfacher weil Drama kann man einfacher erreichen.

00:23:42: aber wirklich ja... Die Leute zum Lachen zu bringen ohne dass es plump wird, das ist eine Herausforderung.

00:23:49: und gleichzeitig sind wir auch ein Slate, ein Projektpaket von mehreren Kinderfilmen am aufbauen.

00:23:56: also wir diversifizieren Und natürlich haben wir gleichzeitig auch nach wie vor die arthausigeren Filme, die wir vorantreiben.

00:24:07: Aber wir haben wirklich so einen schönen Blumenstrauss an verschiedenen Projekten und ich freue mich sehr auf diese Arbeit in diesen ganz unterschiedlichen Werken.

00:24:20: Cool!

00:24:20: Ja das klingt wirklich extrem spannend und ich wünsche dir natürlich oder euch alles Gute möglichst... dass diese Projekte auch dann umgesetzt werden können.

00:24:32: Lieber Stefan, jetzt sind wir am Ende angelangt!

00:24:34: Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses schöne Gespräch.

00:24:37: Danke!

00:24:38: Danke dir Silvan, es hat Spass gemacht!

00:24:41: Liebe Hörerinnen und Hörern, auch Ihnen danke ich herzlich fürs Zuhören.

00:24:44: Diesen Podcast könnt ihr auf allen gängigen Podcast-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast oder Google Podcast abonnieren.

00:24:52: So verpassen Sie keines der spannenden Gespräche mit Persönlichkeiten aus dem Netzwerk des Schweizerischen Studienstiftungen.

00:24:58: Über Feedback, Anregungen und Ideen freuen wir uns sehr – am besten per Mail an info@studienstiftung.ch.

00:25:06: Vielen Dank und bis bald!

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