#32 Roger de Weck [DE]: Warum er immer weniger Meinungen hat und gerne Steuern zahlt

Shownotes

Roger de Weck ist ein Schweizer Autor. Seine Laufbahn als Journalist begann in Genf und führte ihn bald nach Paris. Später war er Chefredaktor des Zürcher «Tages-Anzeigers» und der deutschen Wochenzeitung «DIE ZEIT», moderierte die «Sternstunde Philosophie» auf SRF und leitete als Generaldirektor die SRG. Zudem war er Mitglied des «Zukunftsrats» für Reformen bei ARD, ZDF und Deutschlandradio.

Auch in Wissenschaft und Bildung engagiert sich der zweisprachige Freiburger seit vielen Jahren. De Weck war Präsident des Stiftungsrats des Geneva Graduate Institute und lange Zeit Mitglied der Bildungskommission der Schweizerischen Studienstiftung. Er ist Gastprofessor am College of Europe in Brügge, Präsident der «Fondation Jean Monnet pour l’Europe» in Lausanne, die das Archiv des EU-Gründervaters betreut, und Mitglied des Vorstands der Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée.

Als Autor und Podcaster befasst er sich mit der Demokratie und dem Journalismus, mit Europa und Zeitanalysen. Zu seinen Publikationen zählen «Das Prinzip Trotzdem – Warum wir den Journalismus vor den Medien retten müssen» (2024) und «Die Kraft der Demokratie» (2020). Sein jüngstes Buch «Glanz und Elend der Konservativen» erscheint Anfang September 2026 beim Suhrkamp Verlag. Im Podcast «De Weck: Im Gespräch» der «Republik» spricht er mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Ein Gespräch über Haltung, Aufklärung und die Verantwortung begabter junger Menschen.

Moderation: **Marco Büsch **Website: www.studienstiftung.ch **Produktion: **Podcast Zurich **Graphik Logo: **Bettina Gysin, basierend auf ein Werk von Alissa Siara, ehemalige Geförderte

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Roger de Weck: Mein Ideal ist ganz banal, dass alle demokratischen Kräfte dem geistigen Erbe der Aufklärung treu bleiben und das bedeutet Respekt der Menschenwürde.

Roger de Weck: Das bedeutet ihnen in der Demokratie eine starke Gewaltenteilung damit niemand alle Macht in einer Hand bündelt.

Roger de Weck: Das ist ja das Prinzip der Demokraties, dass die Macht verteilt wird.

Roger de Weck: Das bedeutet natürlich Menschenrechte, Grundrechte.

Roger de Weck: Und ob man links oder rechts steht – das macht das Wesen der offenen Gesellschaft

Roger de Weck: aus!

Marco Büsch: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Begegnungen@fondetudes.

Marco Büsch: Ich bin Marco Büsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle der Schweizerischen Studienstiftung mit Schwerpunkt Kommunikation.

Marco Büsch: Als Gast darf ich heute Roger de Weck in unserem Podcast begrüssen.

Marco Büsch: Willkommen bei uns Herr de Weck!

Marco Büsch: Es freut mich dass Sie heute hier sind.

Roger de Weck: Danke für die Einladung.

Marco Büsch: Herr

Marco Büsch: De Weck, ich stelle sie kurz vor.

Marco Büsch: Sie ist ein Schweizer Autor und Publizist.

Marco Büsch: Ihre Laufbahn als Journalist begann für Sie bei der Tribune de Genève. Später berichteten sie als Paris-Korrespondent für DIE ZEIT, Sie waren Chefredaktor des Zürcher Tages-Anzeigers und der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT. sie moderierten die SRF-Sendung Sternstunde Philosophie und standen als Generaldirektor an der Spitze der SRG.

Marco Büsch: Zudem gehörten Sie dem Zukunftsrat an, der Reformvorschläge für ARD, ZDF und Deutschlandradio erarbeitete.

Marco Büsch: Auch in Wissenschaft und Bildung engagieren Sie sich seit vielen Jahren.

Marco Büsch: Sie waren Präsident des Stiftungsrats des Geneva Graduate Institute und lange Zeit Mitglied der Bildungskommission der Schweizerischen Studienstiftung.

Marco Büsch: Derzeit sind Sie Gasprofessor am College of Europe in Brügg und Präsident der Fondation Jean Monnet pour l'Europe, die in Lausanne das Archiv des EU-Gründervaters betreut.

Marco Büsch: Zudem sind sie Mitglied des Vorstands der Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée.

Marco Büsch: Als Autor befassen Sie sich mit der Demokratie und dem Journalismus, mit Europa und Zeitanalysen.

Marco Büsch: Zu ihren Publikationen zählen Werke wie "Das Prinzip trotzdem - warum wir den Journalismus vor den Medien retten müssen" oder "Die Kraft der Demokratie".

Marco Büsch: Ihr jüngstes Buch ist Anfang September erschienen und trägt den Titel "Glanz und Elend der Konservativen".

Marco Büsch: Nicht zuletzt sind Sie selbst Podcaster und sprechen im Podcast "De Weck: Im Gespräch" des Online-Magazins Republik mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Marco Büsch: Nun, ich würde sagen, da haben wir einige Anknüpfungspunkte, denen wir uns stellen können.

Marco Büsch: Ich glaube, ich würde bei ihrem neuesten Werk anknüpfen - "Glanz und Elend der Konservativen" - das soeben erschienen ist.

Marco Büsch: In diesem bieten Sie ja eigentlich, um es ein bisschen zu herunterzubrechen, bieten Sie eigentlich die Konservativen wieder mehr konservativ zu sein und stabil zu bleiben und sich eigentlich nicht der Radikalität hinzugeben,  so wie die rechtsautoritären Mächte in Europa.

Marco Büsch: Sie haben ja an einer Stelle auch gesagt, Sie sind "eigentlich kein Konservativer".

Marco Büsch: Jetzt habe ich mir die Frage gestellt: Was hat sie motiviert als quasi selbst proklamierter Aussenstehender diesen Essay zu schreiben?

Roger de Weck: Jeder Mensch hat konservative Seiten und das gilt erst recht für die Kleinkinder, für die Babys.

Roger de Weck: Sie wollen, dass alles so bleibt wie es ist und wenn die Eltern umziehen, dann wehren sie sich soweit sie überhaupt können.

Roger de Weck: Oder wenn die Eltern sich trennen, dann ist das für sie meistens auch zunächst eine Katastrophe.

Roger de Weck: Aber gleichzeitig sind alle Menschen fortschrittlich.

Roger de Weck: Auch Kleinkinder, die entwickeln sich rasant.

Roger de Weck: im Nu lernen Sie erst zu sprechen später zu lesen zu schreiben zu spielen und manchmal sind sie da besser als die Erwachsenen, beispielsweise bei Memory schlagen mich meine Enkel gnadenlos.

Roger de Weck: Und es sind beide Seiten in dem Menschen drin und ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung hat zunächst einmal konservative Reflexe, bewahrend, beharrend und deshalb ist es wichtig, dass es auch konservative Parteien gibt, die das repräsentieren.

Roger de Weck: Und solange diese konservativen Kräfte demokratisch bleiben, ist das in Ordnung.

Roger de Weck: Dann sind sie auch eine Stütze der Demokratie, in der Disruption vielleicht sogar eine Stütze der Stabilität.

Roger de Weck: Aber es ist ein Verhängnis der europäischen Geschichte – vielleicht auch der westlichen Geschichte –, dass Konservative zumal in Krisenzeiten immer ins Reaktionäre kippen, siehe einen Donald Trump in den USA.

Roger de Weck: Da war mal eine gutbürgerliche, staatstragende, konservative republikanische Partei und das man kann von diesen US-Republikanern, die Trump verkörpert nicht mehr sagen, dass sie konservativ sind und dann beschädigen sie die Demokratie.

Roger de Weck: Das war mein Impuls.

Marco Büsch: In ihrem Buch geht es ja auch viel um Ideale, also dass man sich quasi auf Ideale beruft, auch als Konservative.

Marco Büsch: Sie schreiben auch, ich finde das ist ein wunderschöner Satz: "Wer ein Ideal hat, kämpft besser".

Marco Büsch: Was sind denn ihre Ideale?

Roger de Weck: Mein Ideal ist ganz banal!

Roger de Weck: Dass alle demokratischen Kräfte dem geistigen Erbe der Aufklärung treu bleiben und das bedeutet Respekt vor der Menschenwürde.

Roger de Weck: Das bedeutet in der Demokratie eine starke Gewaltenteilung, damit niemand alle Macht in einer Hand bündelt.

Roger de Weck: Das ist ja das Prinzip der Demokratie, dass die Macht verteilt wird.

Roger de Weck: Das bedeutet Respekt, Einbezug der Minderheiten.

Roger de Weck: Das bedeutet natürlich Menschenrechte, Grundrechte und ob man links oder rechts steht – das macht das Wesen der offenen Gesellschaft aus!

Roger de Weck: Und so viele Kräfte, die einst konservativ waren, haben sich heute von der Aufklärung entfernt.

Roger de Weck: Wir haben es beispielsweise in Gestalt der AfD in Deutschland, des Rassemblement National in Frankreich, in weiten Teilen der SVP in der Schweiz, auch zu tun mit Menschen, die sich klar gegen das Erbe der Aufklärung wenden.

Roger de Weck: Und gerade wenn es beispielsweise um Geflüchtete geht, da gilt die Aufklärungen, da gilt der Respekt der Menschenwürde fast nicht mehr.

Roger de Weck: Ich glaube, die wirklichen Konservativen, die bleiben dieser Aufklärung treu.

Marco Büsch: Was haben Sie das Gefühl,

Marco Büsch: weshalb gibt es diesen Widerstand gegen grundlegende Menschenrechte?

Marco Büsch: Warum würde man das nicht unterstützen?

Roger de Weck: Wir durchleben eine Zeit der von vielen Menschen empfundenen Kontrollverluste.

Roger de Weck: Über Jahrhunderte eigentlich, seit Christoph Kolumbus, galt in der halben, wenn nicht in der ganzen Welt das Gesetz Europas, später das Gesetz des Westens – dem ist nicht mehr so.

Roger de Weck: China, andere Länder, haben ein Wort mitzureden.

Roger de Weck: Und an der Krise im Golf, rund um die Golfstaaten, sieht man das überdeutlich.

Roger de Weck: Über Jahrhunderte galt der Vorrang des Manns über die Frau und dieses archaische Vorrecht in Anführungszeichen, der schwindet viel zu langsam.

Roger de Weck: empfinden auch viele Frauen, viele Männer, denn eine gleiche und auf Gleichstellung ausgerichtete Gesellschaft ist viel spannender als eine, wo es ein Machtgefälle gibt zwischen Mann und Frau.

Roger de Weck: Aber viele Männer, die eben dann rechtsextreme Parteien wählen, empfinden das als Demütigung, als Machtverlust.

Roger de Weck: Seit biblischen Zeiten galt der Spruch aus dem alten Testament: "Mehret euch und macht euch die Erde Untertan" und plötzlich rächt sich die Erde in Gestalt einer Erderwärmung, in Gestalt von Naturkatastrophen.

Roger de Weck: und dass man sich plötzlich der Erde auch ein Stück weit beugen müsste, das man der Erde Rechnung tragen müsste,

Roger de Weck: Das wollen viele nicht wahrhaben – auch das empfinden sie als Demütigung!

Roger de Weck: Über viele Jahrzehnte dachte man dank der Technologie hat man eine bessere Kontrolle über die Dinge und plötzlich kommt die KI hoch.

Roger de Weck: Und nicht wenige Menschen denken, jetzt werden wir vollends von der Technologie beherrscht, statt die Technologie selbst zu beherrschen.

Roger de Weck: Und diese Ballung von Kontrollverlusten, die weckt Ressentiments.

Roger de Weck: Die weckt das Bedürfnis nach einem durchregierenden starkem Mann der starken Frau.

Roger de Weck: in einer hoch komplexen Welt soll da eine einer entscheiden und dann wird alles viel einfacher.

Roger de Weck: Ich glaube, Vieles hat damit zu tun und ein weiterer Faktor ist natürlich die wirtschaftliche Ungleichheit, wenn die Unten das Gefühl haben, Oben bereichern sie sich und unten gibt es Sozialabbau, dann weckt das ordentlich auch Ressentiments.

Marco Büsch: Jetzt sind Sie ja eigentlich ein weisser älterer Mann in Europa.

Marco Büsch: Also sie hatten eigentlich einen Kontrollverlust.

Marco Büsch: diese was ich

Roger de Weck: Weiss bin ich, alt bin ich.

Roger de Weck: Aber ich fühle mich nicht so.

Roger de Weck: Ich finde das ist ein Privileg unserer Zeit.

Roger de Weck: Wir wollen ja nicht nur pessimistisch sein.

Roger de Weck: Mit meinen 73 Jahren,

Roger de Weck: bin ich wahrscheinlich so jung wie früher, sagen wir mal zu Beginn des 20. Jahrhunderts, einer der 50 oder 60 war und das lebe ich gerne.

Marco Büsch: Ich wollte nur sagen, so wie Sie das jetzt aufgezählt haben.

Marco Büsch: Wären Sie bei diesem Kontrollverlust ja eigentlich prädestiniert, um diesen Rechtsautoritären anheim zu fallen.

Marco Büsch: Wie erwehren Sie sich dagegen?

Marco Büsch: oder was...?

Marco Büsch: Warum ist es bei Ihnen anders?

Roger de Weck: Ich schreibe dieses Buch gerade um mich dessen zu erwehren und ich beobachte wie die Konservativen, die konservativ- und demokratisch bleibende Schlüsselrolle spielen, wenn es darum geht, Extremisten abzulösen, aufzuräumen, wieder Ordnung zu schaffen.

Roger de Weck: Dann sind es oft Konservativen, die hier eine entscheidende Rolle spielen.

Roger de Weck: Schauen Sie bloss nur nach Polen oder nach Ungarn.

Roger de Weck: Nach dem Willkürregime von Kaczyński in Polen kam ein Liberalkonservativer und zwar ein ausgeprägter Konservativer in Gestalt von Donald Tusk an die Macht und dasselbe erleben wir jetzt mit Peter Magyar in Ungarn.

Roger de Weck: Das ist ein Erzkonservativer, der einen Autokraten ablöst.

Roger de Weck: Ich denke, das auch nach Trump ein konservativer Demokrat

Roger de Weck: die besten Chancen hätte, mit MAGA,  mit Make America Great again, aufzuräumen.

Roger de Weck: Und das sieht man durchweg auch in der Geschichte!

Roger de Weck: Ich meine, es war ein erzkonservativer Nationalist wie Charles de Gaulle, der Algerien in die Unabhängigkeit entlässt und der zuvor sich den Nazi-Kollaborateurinnen in Frankreich widersetzte.

Roger de Weck: Es war ein erzkonservativer US-Republikaner wie der Präsident Richard Nixon, der den Vietnam Krieg beendete – den übrigens ein Demokrat, John F. Kennedy eingeleitet hatte und der China, Russland – das heisst damals die Sowjetunion – die Beziehung zu diesen beiden Ländern normalisierte.

Roger de Weck: Es war der israelische Falke Menachem Begin, fast schon ein Rechtsextremist,

Roger de Weck: der Friedens schloss mit Ägypten. Also in einzelnen Krisenzeiten da beobachten wir wie konservative

Roger de Weck: wenn sie grosse Schritte tun und dabei ihre Truppen mitnehmen können, die Linke ist dann sowieso dafür, wenn Sie Neuerungen machen, dass sie hier sehr vieles bewirken können und einer der das ganz genau gesehen hatte, war der ehemalige deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker, den ich auch gut gekannt habe, der meinte, es ist ein grosser Irrtum zu meinen,

Roger de Weck: man könne Reformen machen gegen die Konservativen.

Roger de Weck: Man müsse sie vielmehr mitnehmen und dann seien die Erfolgschancen durch viele kleine Schritte grösser.

Marco Büsch: Was mich auch fasziniert, Sie haben ja in Ihrem letzten Buch "Das Prinzip Trotzdem" und auch in Interviews über das Buch und auch über das Mediensystem in der Schweiz und so... Sie bleiben ein Grundoptimist.

Marco Büsch: Also sie sind immer sehr optimistisch über den Fortbestand des Journalismus und ich finde das sehr spannend, weil wir ja jetzt  in einer Zeit sind in der auch Suchmaschinen, KI die ganzen Geschäftsmodelle der Medien untergraben.

Marco Büsch: Woher kommt dieser Optimismus?

Roger de Weck: Wenn ich zurückschaue ist die Welt nicht ein grosser seit Jahrtausende währender Niedergang!

Roger de Weck: Es hat unendlich viele Fortschritte gegeben und die älteren weissen Männer, wie sie sagten, die immer noch finden, früher was besser.

Roger de Weck: Die liegen einfach falsch!

Roger de Weck: Es gibt natürlich Zeiten, also wer zu Beginn des Nationalsozialismus 1933 lebte, musste sagen, jetzt geht es runter.

Roger de Weck: Aber insgesamt ist die Bewegung in der Weltsgeschichte alles in allem, auch wenn der Mensch wenig lernfähig ist, doch eine Sache des Fortschritts und dieser Fortsschritt ist am objektivsten zu beobachten in der Medizin, glaube ich.

Roger de Weck: Wir müssen nicht mehr Zahnweh

Roger de Weck: haben.

Roger de Weck: Ein Sonnenkönig Ludwig

Roger de Weck: IV.,

Roger de Weck: der hatte zeitlebens furchtbarste Zahnschmerzen, die niemand beheben konnte.

Roger de Weck: Wir müssen das nicht mehr haben.

Roger de Weck: Es gibt viel Fortschritt und gerade auch im digitalen Zeitalter soviel Fortsschritt, der Umstand beispielsweise, dass ich meine Bücher schreiben kann wo ich will.

Roger de Weck: Dass sich meinen Briefverkehr, meinen Mailwechsel von wo auch immer führen kann... Ich empfinde grosse Privilegien.

Roger de Weck: Abgesehen davon ist es so langweilig, wenn alle in der Grundstimmung sind,

Roger de Weck: es geht runter, es geht runter... Nein!

Roger de Weck: Es geht nicht runter!

Roger de Weck: Ich beobachte auch die jüngere Generation, die ist voller Tatendrang, voller Tartkraft und ich kann nur lächeln über die Typen, die sagen, ja das ist eine faule Generation, das ist eine  Lifestyle-Teiltzeitgeneration Das ist eine Generation, die sich nicht mehr einbringt. Überhaupt nicht! Wie jüngere Paare beispielsweise das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern pflegen, wie auch die Männer ihren Aufgaben nachgehen.

Roger de Weck: Das sind alles ganz grosse Fortschritte und ich denke auch bei Überwindung seiner Krise wird der Journalismus wieder aufblühen.

Marco Büsch: Also der Journalismus muss gar nicht gerettet werden eigentlich, der wird sich einfach so entwickeln, dass es wieder stetig aufwärts geht.

Roger de Weck: Er muss sich selbst treu bleiben.

Roger de Weck: Es gibt so viele Medien, journalistische Medien die im Grunde genommen nicht dem Journalismus treubleiben sondern zusehens die Sozialen Medien nachahmen und die Kopie ist immer blasser als das Original.

Roger de Weck: Und wenn ich wie in den sozialen Medien nicht mehr der Aufmerksamkeitsökonomie folgen, sondern der Aufregungsökonomie, dann zerstöre ich in der Tat den Journalismus, denn viele in den Redaktionen meinen Aufregung sei Aufmerksamkeit.

Roger de Weck: Aufregungen ist das Gegenteil von Aufmerksamkeit!

Roger de Weck: Wenn ich aufgeregt bin, dann höre ich diesem Podcast nicht konzentriert zu.

Roger de Weck: und dieses Buch dass ich vor 2-3 Jahren schrieb "Das Prinzip trotzdem - warum wir den Journalismus vor den Medien retten müssen" war ein Plädoyer dafür, dass der Journalismus sich selbst treu bleibt, so wie dieses neue Buch ein Plädoyer ist dafür, dass die Konservativen sich treu bleiben.

Marco Büsch: Ich habe einiges recherchiert für diesen Podcast und auch Ihren Lebenslauf angesehen und es fühlt sich an,

Marco Büsch: also für mich persönlich fühlt es sich an, als hätten Sie eigentlich drei Berufsleben in einem Berufsleben gelebt oder leben immer noch.

Marco Büsch: Hatten sie auch manchmal eine Fear of Missing Out, FOMO?

Marco Büsch: Also das Gefühl etwas zu verpassen, weil man ja nicht alles machen kann?

Roger de Weck: Ja, was ich gerne hätte und nicht haben werde, wäre die Geschichte sagen wir mal noch der nächsten zehntausend bis hunderttausend Jahre zu kennen.

Roger de Weck: Wäre ich in hunderttausend Jahren geboren worden, dann wüsste ich von der Geschichte.

Roger de Weck: und Geschichte interessiert mich so viel mehr als heute oder vielleicht auch nicht mehr, weil man dann nichts mehr weiss und alles Digitale spurlos verschwunden ist.

Roger de Weck: I don't know!

Roger de Weck: Das ist eigentlich eine kleine grosse Sehnsucht.

Roger de Weck: Utopie in meinem Leben.

Roger de Weck: Nein, ich hatte

Roger de Weck: Es hat sich immer das eine über das andere ergeben und was schön war in meinem Leben, auch das nicht geplant.

Roger de Weck: Ich hatte sozusagen sieben Jahre war ich jeweils Chef, Boss, Big Boss, Manager, was auch immer. Und dann die weiteren sieben Jahre habe ich dann wieder geschrieben, betrachtet. Und diese Abfolge von mal Führen und mal wieder Schreiben, das war sehr schön.

Roger de Weck: Abgesehen davon, dass letztlich das Schreiben schöner ist. Wenn sie Big Boss sind, sind Sie nur eine Funktion.

Roger de Weck: Wenn Sie kein Amt versehen, sind Sie eine Person und so werden Sie dann auch von den Menschen gesehen, und es ist so viel schöner Personen als Funktion zu sein.

Marco Büsch: Das kann ich mir vorstellen.

Marco Büsch: Ich habe mir dann auch gedacht, was machen Sie als Ausgleich zu Ihrem Berufsleben?

Marco Büsch: Aber dann habe ich Ihr Buch gelesen, also Ihr aktuelles Buch, und dort schreiben Sie an einer Stelle über die Work-Life Balance.

Marco Büsch: Und dann schreiben Sie in einer Klammerbemerkung "als wären das zwei Paar Schuhe", also Work und Life. Um im Bild zu bleiben:

Marco Büsch: Wie viele Paar Schuhe sind das denn?

Roger de Weck: Für mich, obwohl ich nicht irgendwie ein Protestant bin, sondern ein Kulturkatholik... Der protestantische Arbeitsethos, den der grosse Soziologe Max Weber ja auf den Punkt gebracht hat,

Roger de Weck: der erfüllt mich, auch wie überhaupt ein beträchtlicher Teil der Gesellschaft nach wie vor. Ich arbeite verdammt gerne und das ist Teil meines Lebens und ein Teil meiner Arbeit ist Leben und ein Teil meines Leben ist Arbeit.

Roger de Weck: Also ich kann es nicht unterscheiden. Ganz abgesehen, dass ich einen Beruf ergriffen habe, wenn man beobachtet.

Roger de Weck: Wo hört die Arbeit auf?

Roger de Weck: Wo beginnt das sogenannte Privatleben?

Roger de Weck: Das geht ineinander über. Es ist eigentlich ein Lebensstil.

Marco Büsch: Um jetzt doch zu fragen: Sie legen das Smartphone auch mal auf die Seite, oder?

Roger de Weck: Smartphone ist nicht Arbeit

Roger de Weck: Oder höchstens

Roger de Weck: das Bewirtschaften Sozialer Medien kann in Arbeit ausarten und zwar ziemlich langweilige, aber manchmal unerlässliche Arbeit.

Roger de Weck: Nein, ich lese gern!

Roger de Weck: Ich schreibe gern!

Roger de Weck: Ich döse gern!

Roger de Weck: Ich träume gerne!

Roger de Weck: Das ist alles eins.

Roger de Weck: Die besten Gedanken habe ich eigentlich, wenn ich nicht denke.

Marco Büsch: Nicht aktiv bewusst, oder?

Roger de Weck: Plötzlich sind sie da.

Roger de Weck: Beispielsweise beim Joggen.

Roger de Weck: Da hat man so ein zyklisches Denken die Gedanken kommen und gehen und kommen und gehen und plötzlich ist da was Neues da, dass weder deduktiv noch induktiv gedacht wurde, sondern entstanden ist.

Roger de Weck: Das ist dann auch ein kleines Glücksgefühl ganz, abgesehen von dem Dopamin, dass sich beim Joggen ausstreut in unsere Gefässe.

Marco Büsch: Also dass aus dem, in Anführungszeichen,

Marco Büsch: Nichts

Marco Büsch: solche Gedanken kommen

Roger de Weck: Wahrscheinlich, weil man dann plötzlich Dinge assoziiert, die man nie assoziert hatte.

Roger de Weck: Also es ist ganz wichtig, wenn man kreativ ist, sich auch mal vom Logischen zu entfernen.

Roger de Weck: Aber das ist jetzt eine schnell hingeworfenen Hypothese und je älter ich werde, desto weniger Meinungen habe ich.

Roger de Weck: Oder desto vorsichtiger werde ich mit meinen Meinungen.

Roger de Weck: Überhaupt die schnelle Meinung, die man zu 95 bis 99 Prozent in den Sozialen Medien findet,

Roger de Weck: die interessiert mich eigentlich gar nicht. Ich war zu Besuch bei einem grossen Hamburger Blatt und ich sagte, eure Kommentare, da spürt man, die sind aus dem Tag heraus entstanden.

Roger de Weck: Interessieren mich nicht!

Roger de Weck: Das ist der Rohstoff des Sozialen Medien.

Roger de Weck: Wenn ich in einem journalistischen Medium ein Kommentar lese möchte ich, dass man 2-3 Wochen an dem Kommentar gearbeitet hat und es dann fundiert ist und Substanz hat und das Aspekte entdeckt, die man sonst in der Diskussion nicht erörtert.

Marco Büsch: Das ist eigentlich

Marco Büsch: ein guter Anknüpfungspunkt.

Marco Büsch: Sie waren ja lange Zeit Mitglied der Bildungskommission der Schweizerischen Studienstiftung und eben, wie eingangs erwähnt, eigentlich schon.

Marco Büsch: Sie haben ja schon einige Mandate oder sind waren oder sind in Stiftungsräten, in verschiedenen Funktionen.

Marco Büsch: Sie werden ja wahrscheinlich ab und an angefragt für Mandate.

Marco Büsch: Weshalb haben sie sich für die Schweizerische Studiestiftung entschieden damals?

Roger de Weck: Junge Leute, und zwar eine Auslese besonders begabter junger Leute, für die sich einzusetzen.

Roger de Weck: das war eigentlich ganz klar.

Marco Büsch: Was ist Ihre Ansicht dazu, dass wenn man eine gute schulische Bildung geniesst und auch ein gewisses Talent hat:

Marco Büsch: Hat man dann eine gesellschaftliche Verantwortung?

Roger de Weck: Ja!

Roger de Weck: Eindeutig, die Gesellschaft hat einem, einer, wunderbare Möglichkeiten eröffnet und ein Teil davon der Gesellschaft zurückzugeben, das ist evident.

Roger de Weck: Ich hasse das heutige Gerede, dass Steuern letztlich so etwas wie Diebstahl des Staates seien, dass man nicht gerne Steuern zahle... ich zahle gerne Steuern, zum Beispiel dafür, dass junge Leute richtig gut ausgebildet werden!

Roger de Weck: Und dieses wirtschaftsliberale Gerede, dass die Steuern immer zu hoch sind, ist im Grunde genommen absurd.

Roger de Weck: Wir haben die beste Infrastruktur, die es gibt in der Schweiz!

Roger de Weck: Wir haben eines der besten Bildungswesen, wir haben eines der besten Gesundheitswesen... ...wir haben einen öffentlichen Verkehr, der verlässlich ist,... ..wir haben so viele Privilegien dank der Steuern, die wir zahlen und ich würde eigentlich gerne noch ein bisschen mehr zahlen.

Marco Büsch: Wie nähern uns jetzt dem Ende

Marco Büsch: des Gespräch, deshalb werde ich noch mal zurück zur Schweizerischen Studienstiftung kommen.

Marco Büsch: Meine Frage dazu wäre noch: Was kann die Studienstichtung als Institution jungen Menschen eigentlich bieten,

Marco Büsch: was jetzt eine Universität oder eine Hochschule nicht leisten kann?

Roger de Weck: Das Gesprich untereinander, Kontakte vermitteln zwischen klugen jungen Leuten. Das ist vielleicht noch wichtiger, als die wertvollen Angebote der Studienstiftung in denen eben diese jungen Menschen zusammenkommen.

Roger de Weck: So manches lernen, aber auch so manches letztlich durchs Gespräch untereinander, dank dieses Gesprächs vorankommen.

Marco Büsch: Ich möchte mich herzlich bedanken für das wunderbare Gespräch.

Marco Büsch: ich wünsche Ihnen weiter viel Erfolg und Motivation in Ihrem Schaffen!

Roger de Weck: Herzlichen Dank.

Roger de Weck: Es war ein Vergnügen.

Marco Büsch: Liebe Hörerinnen und Hörern, auch Ihnen danke ich herzlich fürs Zuhören mit Denken und dabei sein.

Marco Büsch: Diesen Podcast können Sie auf allen gängigen Podcast-Plattformen abonnieren – so stellen Sie sicher, dass Sie keines der Gespräche mit weiteren Persönlichkeiten aus dem Netzwerk der Schweizerischen Studienstiftung verpassen!

Marco Büsch: Wenn Sie uns bereits abonniert haben, vielen Dank, es freut uns wirklich sehr!

Marco Büsch: Falls Sie Feedback, Anregungen oder Ideen mit uns teilen wollen, senden Sie uns diese bitte per Mail an info@studienstiftung.ch oder natürlich auch über Instagram oder LinkedIn, also über Social Media.

Marco Büsch: Dort sind wir auch vertreten und freuen uns über jede Rückmeldung.

Marco Büsch: Vielen Dank und bis

Marco Büsch: bald!

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